Aphasie / Dysphasie / Dysarthrie / Dysarthrophonie / Dysphagie / Dysphonie-
was ist das?
Von einer Sprachstörung (Aphasie oder Dysphasie) spricht man, wenn ein Patient Schwierigkeiten hat
- das richtige Wort zu finden (Wortfindungsstörungen)
- mit der Grammatik
- mit dem Verstehen von gesprochener und / oder geschriebener Sprache (Sprachverständnis- und / oder Lesesinnverständnisstörung)
- mit dem Lesen und / oder dem Schreiben (Störungen auf graphematischer Ebene)
- mit den sprachlichen Lauten (phonologische Störungen)
- eine sprachliche Alltagssituation zu bewältigen
Von einer Sprechstörung (Dysarthrie / Dysarthrophonie) spricht man, wenn ein Patient Schwierigkeiten hat
- mit dem deutlichen Sprechen/mit der Artikulation
- mit dem Redetempo (er spricht zu langsam oder zu schnell)
- mit der Sprechmelodie (er spricht abgehackt oder monoton)
Von einer Schluckstörung (Dysphagie) spricht man, wenn ein Patient Schwierigkeiten hat
- mit dem Schlucken von Flüssigkeiten
- mit dem Schlucken von festen Speisen
- mit dem Husten nach dem Schlucken
Von einer Stimmstörung (Dysphonie) spricht man, wenn ein Patient Schwierigkeiten hat
- mit seiner Stimme (rauhe, heisere, behauchte Stimme, ständiges Räuspern)
- mit seiner Atemluft beim Sprechen
Ursache für eine Sprach-,Sprech-,Schluck- oder Stimmstörung ist meist eine neurologische Erkrankung, d.h.
- ein Schlaganfall
- eine Gehirnblutung
- ein Schädelhirntrauma
- eine Tumorerkrankung
Ziel der Sprachtherapie für Erwachsene ist
das Erreichen einer Alltagskompetenz in allen die Sprache, das Sprechen sowie das Schlucken betreffenden Bereichen.
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weitere Fachbegriffe / Neurolinguistische Termini
Erläuterung der wichtigsten Termini
[Vgl.: Hartje, Wolfgang; Poeck, Klaus (Hrsg.) (1997): Klinische Neuropsychologie. 3. neubearb. Aufl. - Stuttgart, New York: Thieme. Seite 104 ff. und Huber, Walter;
Poeck, Klaus und Willmes, Klaus (1983): Der Aachener Aphasie Test (AAT). Göttingen: Hogrefe. Handanweisung. Seite 17 ff.]
Anarthrie: Unfähigkeit des Sprechens, schwerste Form der Dysarthrie bzw. der Sprechapraxie.
Derivation: Derivation betrifft die Ableitung von Wörtern (Berg > berg+ig, umleiten > Umleit+ung).
Dysarthrie: Verwaschene, mühevolle Artikulation, die meist von Störungen der Phonation und des Sprechrhythmus begleitet ist und die Sprechanstrengung hervorruft.
Dysphonie: Gestörte Stimmgebung, bei vollständiger Unfähigkeit: Aphonie.
Dysprosodie: Abweichungen in der Sprechmelodie und/oder Sprechrhythmus bzw. in der Satzintonation, im Wort- und Satzakzent.
Echolalie: Wiederholen von Äußerungen des Untersuchers mit oder ohne leichte Umformung in Wortstellung und Wortwahl.
Flexion: Flexion betrifft die verschiedenen flektierten Formen eines Worts (bring+en, bring+t, bring+st). Flexionsmorpheme zählt man auch zu den Elementen der geschlossenen Klasse (Funktionswörter).
Flexionsformen: Endungen von Substantiven, Verben und Adjektiven.
Flüssigkeit der Sprachproduktion: Flüssig: Durchschnittliche Phrasenlänge von mehr als fünf Wörtern, bei wenigen Unterbrechungen und bei normaler Sprechgeschwindigkeit. Nichtflüssig: Durchschnittliche Phrasenlänge von weniger als fünf Wörtern, bei vielen
Unterbrechungen und bei verlangsamter Sprechgeschwindigkeit.
Funktionswörter: Wörter, wie Artikel, Pronomen, Präpositionen, Vorsilben, die vorwiegend syntaktische Relationen im Satz ausdrücken.
Inhaltswörter: Wörter wie Substantive, Verben, Adjektive, Adverbien mit eigenständiger Bedeutung im Satz
Jargon: Bei flüssiger Sprachproduktion sinnlose Aneinanderreihung von Wörtern und Redefloskeln (semantischer Jargon) bzw. von phonematisch veränderten Wörtern und phonematischen Neologismen (phonematischer Jargon).
Komposition: Komposition betrifft die Zusammensetzung von Kernmorphemen (Haus+tür, Eisen+bahn, Sonder+steuer). Das am weitesten rechts stehende Morphem nennt man Kopf (head) eines Wortes, der auch für Wortklasse und grammatische Eigenschaften verantwortlich ist.
Morphologie: Morphologie betrifft die Wortbildung. Die zugrundegelegte Einheit der Morphologie ist das Morphem, die kleinste bedeutungstragende Einheit. Morpheme können allein stehen (Haus, schön, der) oder nur als Teil eines Wortes (berg+ig, steh+t)
realisiert werden. Man spricht deshalb von freien bzw. gebundenen Morphemen. Die drei klassischen Bereiche der Morphologie sind Flexion, Derivation und Komposition.
Neologismen: Wörter, die in der Standardsprache aus lautlichen bzw. semantischen Gründen nicht vorkommen (phonematischer bzw. semantischer Neologismus).
Paraphasie, phonematische: Lautliche Veränderung eines Wortes durch Substituierung, Auslassung, Umstellung oder Hinzufügung einzelner Laute (z.B. "Spille" statt "Spinne", "Tock" statt "Stock", "Urine" statt "Ruine", "Bansane" statt "Banane").
Paraphasie, semantische: Fehlerhaftes Auftreten eines Wortes der Standardsprache, das zum Zielwort entweder eine bedeutungsmäßige Ähnlichkeit hat oder grob davon abweicht (z.B. "Mutter" statt "Frau", "Einbringen" statt "Einbrechen", "Bad" statt "Hemd", "Telefon, wo man zumachen kann", statt "Kühlschrank"). In der Spontansprache sind semantische Paraphasien oft nur als semantisch abweichende Kombinationen von Wörtern in Sätzen erkennbar (z.B. "Ich kann schwer erzählen .. ich kann Ihnen von einer ärztlichen Sache alles geben aber dann habe ich es doch nicht gesprochen").
Perseveration: Der Begriff Perseveration bezieht sich auf die ungewollte Wiederholung von vorher geäußerten Lauten, Silben, Wörtern oder Sätzen (bzw. von Fragmenten derselben). Perseverationen können dem Sprecher bewußt oder nicht bewußt sein,und sie können unmittelbar oder verzögert auftreten.
Phonologie: Die Phonologie umfaßt das Laut- bzw. Phonemsystem einer Sprache, die Silbenstruktur-Regeln und die korrekte Laut- bzw. Phonemanordnung. Die Einheit der segmentalen Phonologie ist das Phonem, welches als die kleinste bedeutungs-
unterscheidende Einheit einer Sprache definiert ist.
Phonologie, suprasegmentale: Die spuprasegmentale Phonologie betrifft Prosodie, Intonation und Betonung.
Phrase: Abfolge von Wörtern die aufgrund syntaktisch-semantischer und/oder prosodischer Merkmale zusammengehören (kleinste Redeeinheit).
Pragmatik: Lehre von der Funktion der Sprache. Pragmatische Themen sind interaktionale Aspekte der Kommunikation, deren zugrundeliegende Regel, die sozialen Aspekte von Sprache, und der Zusammenhang von Verbalem und Nicht-Verbalem (z. B. Gestik, Mimik) in der Kommunikation.
Recurring utterances: Sprachautomatismen, die ausschließlich aus aneinandergereihten Silben oder Abfolgen von Silben (z.B. "dododo", "tatata", "tantan", "gogogogo"), Neologismen (z.B. "männe, männe"), Wörtern oder Phrasen (z.B. "Auto Auto", "pitte Lilli", "schönen Tag guten Tag") bestehen.
Redefloskel: Inhaltsleere Redewendung von unterschiedlicher Länge und unterschiedlichem Grad an Idiomatisierung, die im Gegensatz zu Stereotypien während des Gesprächs nicht mehrfach wiederkehren (z.B. "mal so, mal so", "das Dingsda", "na, Sie wissen schon, da hab' ich das gemacht", "da liegt es schon mal drin, daß ich das schon mal hab'").
Satzverschränkungen: Überschneidungen von aufeinanderfolgenden Satzstrukturen oder Zusammenziehen von zwei Sätzen zu einem (z. B. "dann kann ich auch fünf Minuten später weiß ich immer noch nicht", "ich bin alles weggekommen ...hab alles verloren").
Sätze, kurze, einfache: Sätze mit Subjekt und Prädikat ohne Einbettungen, meist schematische Subjekt-Verb-Objekt-Abfolge mit geringer stilistischer Textverknüpfung, ausschließlich Nebenordnung von Sätzen.
Sätze, lange, komplexe: Sätze mit Einbettungen von einem oder mehreren Nebensätzen, Infinitivsätzen oder attributiven Ergänzungen, dabei variable Konstituentenabfolge und mehrfache stilistische Textverknüpfung.
Sprachanstrengung: Schwierigkeit, Gedanken sprachlich auszudrücken, aufgrund von Wortfindungsstörungen sowie Störungen in der Wort- und Satzbildung.
Sprachautomatismus: Mehrfach wiederkehrende formstarre Äußerung, die aus neologistischen Silbenabfolgen, beliebigen Wörtern oder Phrasen besteht und die weder lexikalisch noch syntaktisch in den sprachlichen Kontext paßt und die der Patient gegen die vom Gesprächspartner erwartete Intention hervorbringt.
Sprachäußerung: Vokale Äußerung, die nicht notwendigerweise sinnvoll ist, in der jedoch eine Kette von einzelnen sprachlichen Lauten vorliegt, im Gegensatz zu nichtsprachlichen vokalen Äußerungen, wie husten, lachen, räuspern, niesen, stöhnen etc.
Sprechanstrengung: Sprechmotorische Schwierigkeiten aufgrund einer Beeinträchtigung von Artikulation und Phonation und des Sprechrhythmus.
Sprechapraxie: Erschwerte Aktivierung, Initiierung und Koordination von Sprechbewegungen, dabei artikulatorisches Such- und Korrekturverhalten, inkonsistene Verwechslungen von artikulatorischen Zielen sowie häufig langsames, kontrolliertes und silbisches Sprechen mit gestörter Prosodie.
Sprechgeschwindigkeit: Anzahl von Wörtern pro Minute (W/min): sehr langsam bei weniger als 50 W/min, langsam bei 50-90 W/min, normal bei mehr als 90 W/min (Pausen von 2 s und länger sind nicht zu berücksichtigen).
Stereotypien: Formstarre Floskeln, die mehrfach wiederkehren, aber meistens der Sprechsituation angemessen eingesetzt werden (z. B. "undsoweiter", "meine Güte", "Donnerwetter", "ach ja", "ach Gott", Sie wissen schon, was ich meine").
Syntax: Die Syntax beschäftigt sich mit der Struktur von Sätzen. Sätze können auf unterschiedliche Weise bestimmt werden: als intonatorische Einheit, als inhaltliche Einheit (Subjekt plus Prädikat im Minimum, auch Proposition gennant) oder über grammatische Strukturen. Aphasische Symptome auf der Satzebene sind Satzabbrüche, Agrammatismus,
Paragrammatismus und - mit Einschränkungen - Jargon.
Textebene: Die Textebene befaßt sich mit Äußerungskomplexen, die über den Satz hinausgehen. In der gesprochenen Sprache sind Nacherzählungen, Bildbeschreibungen oder offene Fragen ("Was haben Sie am Wochenende gemacht?") typische Anlässe für Textproduktion.
Verdoppelung von Satzteilen: Mehrfaches Vorkommen eines Satzteils in verschiedenen Positionen des Satzes (z. B. "auch nicht ich selber kann mir da nicht helfen").
Wortfindungsstörung: Stochen im Sprachfluß bzw. Satzabbruch, wobei dem Patienten offensichtlich ein bestimmtes Wort zur Bezeichnung von Objekten, Ereignissen, Eigenschaften oder Tätigkeiten nicht zur Verfügung steht, statt dessen häufig sprachliche Ersatzstrategien wie Ausweichen in Redefloskeln, Beschreibung von Gebrauch oder Eigenschaft, Ausweichen in Pantomime, Fortführen des Themas in varrierter Form.
Liste wird fortgesetzt....